Samstag, 27. August 2016

Vom schwersten Schritt (bis sie wieder atmen kann)

Als ich anfangs wenig wusste,
da war mir jeder Rat zu teuer,
als ich wollte und nicht musste,
brannte in mir wild ein Feuer,

nun sehe ich es vor mir flackern,
seh den Wachs zu Tische fließen,
hör im Dunkeln Zeiger klackern,
knete in Masse, die sie mir ließen.

Nach der Angst es auszuhusten,
kann ich noch das Licht genießen,
bis zum Drang es auszupusten,
um die Augen still zu schließen,

mit denen ich zum Ausgang schaue,
hinter dem die Wege offen stehen.
Im Kerzenschein, auf den ich baue,
müsste ich bloß durch ihn gehen.




Donnerstag, 25. August 2016

warum einstein nicht irrt, wenn er sagte...*

man kann nicht
man darf nicht
man soll nicht
man muss nicht
man kann
man soll
man muss
antwortet ihr
wie zu allen zeiten
auch heute auf
die drängenden fragen
dieser zeit
doch dummerweise
fängst man leider erst dort
an zu verstehen
wo das verständnis
endet
und dummerweise
kommt wirkliches verständnis
nur überall dann dort auf
wo man begonnen hat
zu verstehen
und dummerweise
legt dir die so
gewonnene erkenntnis
wenn du sie denn trotzdem wagst
zuerst die eigenen hände
um den eigenen hals
um zuzudrücken
so fest du nur kannst
und dummerweise
wirst du das gefühl nicht los
es trotzdem zulassen zu müssen
um die unverdaulichen brocken
auskotzen zu können
mit denen wir
angefüttert wurden
selbst wenn du
dummerweise dabei
das gefühl nicht los wirst
dass dir vielleicht
bald die luft
endgültig
ausgehen könnte
und dummerweise
geht der brauchbare rest
dann auch noch vor
lauter druck
nicht selten direkt
in die hose
die du dummerweise
also herunterlassen musst
um mit dem inhalt
etwas anfangen
zu können

doch traurigerweise
werden sie grade deshalb
lieber erstmal
kollektiv
die nasen rümpfen
anstatt die ohren
zu spitzen
schließlich kann man ja nicht
derart beschissen aussehen
wenn man wirklich
etwas zu geben
haben will

*... der horizont der meisten menschen ist ein kreis mit dem radius null. und den nennen sie dann ihren standpunkt.

Wirklich wahr

Weil junge Menschen einsam fluchen
im Angesicht der kranken Welt,
gehen sie nach Wahrheit suchen -
bis sie die eine festgestellt,
um dann zu brechen, zu erblinden,
gedrängt sie an den Rest zu geben -
verzweifelt suchend wird man finden
und mit dem Fund in Lüge leben.

Passend dazu gibt’s dann solchen,
der hält sich gerne für gerissen
zwischen all den „Lügenstrolchen“,
passioniert im Besserwissen...
so kann er Selbstbetrüger wohl benennen!
Was kommt am Ende dabei raus?
Auch er wird nichts als Lügen kennen!
Was er aufdeckt? Bloß Applaus!

Nur wer sich hingegen treiben lässt,
wer über Grenzen geht auch weit,
stellt im nirgendwo so vielleicht fest:
all das Unheil macht sich breit,
weil sie Wirklichkeiten Wahrheit nennen,
nur wenigen wird wirklich klar:
man darf Eines nicht vom Andren trennen;
auch die Lügen, sie sind wahr!

Auf ihrem Grund kann man erkennen,
dort stellt sich im Grunde dar,
wie wir die Wirklichkeit verpennen;
wirklich wahres ist längst rar,
weil wir in Wahrheit krank genesen,
viel zu oberflächlich, abzuleiten:
die Wahrheit ist ein Überwesen,
die Summe aller Wirklichkeiten!

Wer's wissen will, muss deshalb wühlen
in sich selbst, im tiefsten Dreck,
denn nur weit unten kann man fühlen:
Alle sind von Wahrheit gleich weit weg
und nur wenn man wahrhaftig ist,
zeigt sie sich, um Sinn zu spenden
wenn du näher nie als nie ihr bist,
kann sie überall sich an dich wenden!