Montag, 3. Februar 2014

dasliedvomverlorenenjungen(1)

Ich frage mich, wen ich dort sehe
ob ich es bin, der stellt sich dar,
wenn ich fragend vor’m Spiegel stehe;
ob ich’s noch bin? ob ich’s je war?

Ich frage mich, was ich dort sehe
Engel? Teufel? Oder Narr?
Ich frage mich, wo ich bloß stehe
und ob ich selber dort je war.

Ich frage mich, ob ich wohl dichte
oder kunstvoll mich verstecke?
Ich frage mich, ob ich berichte
oder künstlich mich eindecke?

Ich frage mich:

Bleib ich hier
allein zurück
hinter der Hoffnung
die wir  hatten?

Ich frage mich:

Werf ich Dir,
Stück um Stück,
in Deine Richtung
meinen Schatten?

Ich sage Dir: Ich werd bald kommen,
voller Angst, Du lässt mich sitzen;
hör mich denken: Frei geschwommen!
Seh dabei mich rudernd schwitzen.

Ich sage Dir: Ich werd es schaffen,
nicht ewig bloß hier weiter treiben,
und frage mich: Werd ich’s je raffen?
Will so gern hier weiter bleiben.

Ich frage mich: Wer sieht mich glühen,
wenn ich im Kreis mich drehe?
Ich frage mich, was wird mir blühen,
wenn ich weiter hier eingehe?

Ich frage mich: Bin ich hier verloren;
dabei bloß zu verschwinden?
An dem Ort, von dem ich geschworen
ihn zu suchen und zu finden.

Ich frag mich bloß; wohin wir kämen,
er-lebten wir, statt zu erben,
wenn wir
gemeinsam uns das Leben nähmen;
und es lebten, statt zu sterben.

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