Montag, 27. Januar 2014

lebenimschatten

Es fegt durch die Stadt, um den Turm
die erste Bö vom Wintersturm
auf den der Glöckner wartet nun
vom letzten Stündlein kund zu tun.
Die Straßen sind Menschenverlassen
ins Heimatgemäuer fliehen die Massen
nur mancher irrt umher vergebens
suchend nach dem Sinn des Lebens
im tiefen Schnee die Spuren führen
vor blut’ge Flecken vor den Türen
wo Menschen auf der Stelle traten
die vergeblich dort um Einlass baten.
Erfrierend steht im Minirock
die Straßendirne und hat Bock
keiner hält inne, nicht einer weint,
nicht einer weiß, wie Ernst sie’s meint.

Der Mensch trauert um sein Leben
dessen eine Hälfte er vergeben
versucht die andre zu vergessen
die er durchgeackert wie besessen.
Es macht sich breit in kalter Luft
des Winters frostger Todesduft
atmet schwer, atmet tief
er läuft weiter, wie er lief
auf den ihm bestimmten Wegen
gerade seinem Ende entgegen.
In dunklen Ecken klingen Stimmen
man sieht glühend Kippen glimmen
Atem weht durch Schall und Rauch
wie letzter Hoffnung zarter Hauch
im Dunkel hält sich gut versteckt
ein Rest von Leben noch bedeckt.

Der einen Schatz sein eigen nennt
den der Mensch bis heut nicht kennt;
als er seinen Gott um Gnade gebeten
hat man ins Unterholz Pfade getreten
im tiefsten Schnee bezeugt selbst nur
über höchste Gipfel führend die Spur
unter Wurzeln mächtiger Bäume
liegen tief begraben neue Träume.
Die bereit sind jene vorzuholen
die sich ins Dunkel fort gestohlen
noch nicht vom Leben überrannt
lebt ein Rest von Leben unerkannt.
Der Winter späht mit Argusaugen
die Reste in sich einzusaugen
dumpf läutet es vom alten Turm
das Ende ein schon für den Wurm.

Es fegt durch die Stadt, um den Turm
des letzten Winters erster Sturm.

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