Freitag, 22. November 2013

Vom letzten Gefecht

Grau wie Beton, so kann ich fühlen
Menschen verblassen im Gewissen
ihr Kreideumriss fortgerissen
mit Tränen und Staub, den wir wühlen,

fliehend vor Kälte, Kalten, Kühlen
will ich zitternd meine Fahne hissen
zum Ende fast wie hingerissen
den Mund mit letztem Mute spülen

Die Menschen um mich fliehen nach Haus
grauer Himmel umhüllt graue Mauern
grollt: „Keiner kommt hier lebend raus,

werd die letzte Wärme überdauern!“
Und doch, ich steh! Bis die Öfen aus
werd ich frierend auf Sonne lauern!

Freitag, 15. November 2013

Den Moment zu retten

So manch moderner Dichterhühne
nimmt Gedichte her als Bühne
ausgeleuchtet in Selbsterhellung
zur weltmännischsten Selbstdarstellung

Wäre er dabei nicht so kreativ
spräch einfach es aus! Demonstrativ,
dann käme manch sinkendem zur Not
ein Gedicht heran als Rettungsboot

Der ginge dann nicht einsam baden
wenn’s bloß käme, um ihn einzuladen
auf ein kleines Stück Gemeinsamkeit
ruhig treibend auf dem Strom der Zeit

Dann würden selbst sie doch beim Kentern
manch neues Ufer doch noch entern
ohne die Angst nach dem Ertrinken
dann im Vergessen zu versinken

Scheint auf unsrer Fahrt gen Flammentod
den Moment für zwei das Abendrot;
es müssen mehr als zwei nicht finden!
Ein kleines Bötchen zum Verschwinden

Bringt es euch um die Kaltwetterfront
treibt es lange noch am Horizont
während moderne Dichterhühnen
versinken bloß mitsamt der Bühnen

Mittwoch, 13. November 2013

Leichtmatrose

Sieh an! Sieh an! Herr Capitano!
Wie geht’s? Wie steht’s? Alles Piano?
Ich hab mich um den Kahn gekümmert,
manches dabei wohl auch zertrümmert.
Mit meiner letzten Weste, keine weiße!
Schrubbt ich die Friedenstaubenscheiße
die’s auf Erden hier vom Himmel regnet,
die der Mensche dem Krieg entgegnet.
vom Anker hoch bis über das Deck
behandelte ich hier jeden Fleck!
Um Mitternacht in der Kombüse
schält ich frei manch junges Gemüse.
Hab selbst gekocht schon für die Truppe
preisgekrönte Buchstabensuppe!

Von der Mannschaft sind alle gegangen
sie flogen, sie schwammen, sie sprangen
doch lehrst du mir die Seemannslieder
dann kommen singend sie bald wieder!
Ich wartet manch bange Minuten
auf geht’s nun! Auf geht’s! Lass uns sputen!
Für die ganze Crew! Applaus! Applaus!
Herr  Capitan! Nun Volldampf voraus!

Samstag, 9. November 2013

Vom nicht ganz so dicken Brummer

So mancher Frosch, der macht, oh weih,
wenn man ihn ableckt richtig high.
Flöhe, Mücken, Fliegen, Zecken
selbst die ihn am Arsch bloß lecken.
Da kam sie angeflogen, ohne Scham
die Flieg', die große Dosen nahm
und dachte plötzlich, high und higher
sie sei in der Luft ein jagender Reier.
Der Frosch, er wünschte guten Flug
die Flieg' stürzte im Kampfanzug
auf den Frosch, als er gähnend,
sich in Ruh und sicher wähnend.
Weil der Mund ihm offen stand,
die Fliege sich im Rachen fand.
Voll berauscht machte sie heiter
den "Terror" dort einfach weiter.
Der Frosch, zu stolz um's auszuspucken,
zu wählerisch zum runter Schlucken
denkt: "Wer bitte will den Mist?
Der am Ende nur zum Kotzen ist
auch noch im Magen
mit sich rum tragen?"
Die Fliege schwirrt und lebt seither
als wollt sie nie Heim, nimmer mehr
dämlich-grinsend in den Backentaschen
träumt davon, den Frosch zu vernaschen,
der sich nur sehnt, dass sie endlich geht;
mit dem nächsten Winde fortwärts weht.

Eistanz

Frierend tanze ich
mit glühenden Kufen
auf dünnem Eis
deinen Namen
in den gefallenen Schnee

Warum schaust du mich
bloß traurig an?
Wann reichst du mir
deine zitternden Hände?
Ich bitte dich
um diesen letzten Tanz
auf Glatteis
dich zu führen

Ich kann den Moment
nicht mehr erwarten
dich zu umarmen
um dann gemeinsam
mit dir
auf dünnem Eis
mit glühenden Kufen
tanzend endlich
einzubrechen

Am Anfang war das Wort

Man begeht
Selbstmord
Man nimmt sich
das Leben
Man bringt sich
um

Erfolgreich begehen bedeutet
beginnen
Erfolgreich nehmen bedeutet
bekommen
Erfolgreich sich zu bringen bedeutet
anzukommen

Die Psychologen
schießen wie Giftpilze
aus unfruchtbarem Boden
doch selbst,
wenn sie noch tausende
traurige Schicksale
mit ihren stumpfen Skalpellen
durchexerzieren.
Sie können es nicht
sagen:

Begehe ihn nicht
es ist dein Ende
ohne vom Anfang zu sprechen
nimm es dir nicht
du verlierst dein Leben
ohne vom Bekommen zu sprechen
bringe dich nicht um
es wartet der Tod
ohne vom Ankommen zu reden

Selbst in tausenden Stunden
beratschlagender
Therapie
selbst auf tausenden Seiten
therapierender
Ratschläge

In ihnen bleibt die
tödliche Hoffnung
bis an ihr Lebensende
lebendig

Freitag, 8. November 2013

Nimm es!

Sieh genau hin
und höre
was sie zu sagen haben

Sieh genau hin
und spüre
was sie zu geben haben

Sieh genau hin
und nimm es!
Das Nichts, dass euch geblieben

Das bisschen Herz
das wir gemeinsam
Hand in Hand
erkämpften
nimm es!
Und
bezahle dafür
es zu verschwenden

Das bisschen Herz
das Du dir schnaufend
aus meiner Brust
geschaufelt
nimm es!
Ich
bezahle dafür
es zu verschenken

Was immer
ihr auch wolltet!
Nehmt es
euch doch einfach
weg!

Sonntag, 3. November 2013

Dämmerung

Wieder knie ich
auf meiner Flucht
vor den grauen Straßen
dieses Lebens
voller Menschen
die auf den Bürgersteigen
applaudierend betteln
nach mehr von den
erfüllten Erwartungen
die sie nie an mich hatten

Alleine
vor einem leeren Stuhl
auf dem du mich
erwartet
in den du mir
wir waren hier
zum Abschied eingeritzt
knie ich
auf den verfilzten Haaren
die du dir ausgerissen
die nun endgültig
auf meine Kappe gehen werden

Ich werfe nur noch
augenzwinkernd
einen letzten Blick
in diese Runde
leerer Stühle
ehrenwerter Menschen
genieße
den Klang ihrer Lieder
um abgewendet
in die Nacht
auf meinen eigenen Weg
zurückzukehren

Inmitten der schnatternden Heerscharen
vor dem Winter fliehender
Vögel
zwitscherst du noch
ich höre dich singen
inmitten zum Mond heulender
Wölfe

Grinsend kehre ich so
ins Dunkel zurück, denn
wir werden uns krähen hören
inmitten der aufgescheuchten Hühner
werden nur wir es wissen
wann es an der Zeit ist
endlich aufzustehen

Samstag, 2. November 2013

Enigma (2 - Tyrannosaurus Ex)

Man kann dorthin heute Reisen schon buchen
wo man begann nach Intelligenzen zu suchen;
doch wird man auch im All nicht finden
was auf Erden dabei zu verschwinden!
Nehmt bloß ein Buch her und ihr seht,
was den Menschen in den Sternen steht:
Der mächtige Tyrannosaurus Rex
wäre auch ohne Eiszeit heute Ex
im Museum bloß noch aufgehängt
von Intelligenz lange verdrängt!
Denn was Mensch zuerst als Vogel erkannt
später dann Velociraptor genannt;
das hatte hinter einer kalten Stirn
ein den Artgenossen überlegenes Hirn;
die Evolution sah: Intelligenz im Kommen!
Hat den Beutetieren ihre Waffen genommen;
die Wissenschaft, sie fragt sich „Warum?“
Und ich denke mir: „Na, eben drum!“
Denn Mensch, du bist auch, wie du bist,
weil Darwinismus ein Holzweg ist!

Wäre die Evolution damals menschlich gewesen
wäre von kommender Klugheit bald man genesen:
Denn was fehlte noch? „Na, ist doch klar!
Bloß Rakete und Bazooka!“
Der Evolution, die damals schon klug war
ihr läge sicher jedoch eher nah:
Den Velociraptor um die Waffen zu stutzen,
um ihn zu zwingen sein Gehirn zu nutzen;
gäb ihm einen Zeh, dass er nicht falle
und nähme ihm so auch die Kralle!
So wäre er, weil sie die Waffen genommen
in der Nahrungskette oben angekommen.
Wenn wir selber denkend heut also wüssten
was Homo Sapiens Sapiens wissen müssten;
wenn es euch auch erscheint wie blanker Hohn;
die Evolution, sie zeigte damals es schon;
dann wären wir heut schon so weit, wie einst die Affen,
denn: Wo Intelligenz aufkeimt. Verschwinden die Waffen!


*Anmerkung, um WISSENSCHAFTLICH BELEGTE INDIZIEN zu geben für das, was hoffentlich zu denken gibt:

Die Wissenschaft selber sieht es als erwiesen an, dass in den Überresten des Velociraptors entwickelte Sinnesorgane erkannbar sind, die dabei waren, sich auf Kommunikation auszulegen. Was ein eindeutiges Indiz ist für die Entwicklung von Intelligenz.
Auch seine sich entwickelnden Arme, die man zuerst als Flügel annahm, sind ein Indiz für eine Lebensform, die dabei ist, sich in eine bestimmte Richtung weiterzuentwickeln.

Auch die „Entwaffnung“ ihrer Beutetiere ist keinesfalls aus der Luft gegriffen. Beispiel Triceratops: Die Hörner, die frontal gerichtet waren, um als Waffen eingesetzt werden zu können, begannen sich, gegen Ende der Dinosaurier-Epoche, nach außen auszuwachsen, im Prozess der Entwicklung eines Jungtieres. Und wurden somit als Waffen unbrauchbar.
Ebenso bildetete sich im Laufe dieses Prozesses der Nackenschild zurück, womit sie im Grunde genommen schutzlos und kampfunfähig wurden.

Das ist WISSENSCHAFTLICH BELEGT! Nicht aber wissenschaftlich begründet. Und im Prinzip auch nicht begründbar, mit der zu Grunde gelegten These „survival of the fittest“.