Sonntag, 20. Oktober 2013

Enigma (1 - AbsolutAntiSuizidal!)

Wie oft stand ich schon, ich armer Tor;
in mir verloren; verlassen davor
vor der geschlossnen Himmelspforte;
erfüllt von Angst; für diesen Orte
könnt es am Ende niemals reichen;
kein Heiligenschein; nur Fragezeichen
sind von Gebeten mir geblieben;
bis ich dagegen angeschrieben!

Lernte es lieben, mich zu hassen
konnt ich es bloß in Worte fassen;
lernte es lieben, mich zu hassen
für meinen Traum von vollen Kassen;
lernte es lieben, mich zu hassen
für den Trieb nach Röcken zu fassen;
in Versen, Strophen, in Gedichten;
wollt ich von Demut ihm berichten!

Doch für die Beichte dann, von wegen;
Absolution? Oder gar Segen?
Weiß heut nur: Für ihn wird’s nicht reichen;
ich sehe bloß noch Fragezeichen!
Seit’s schwarze Schaf die Frage aufwarf:
Warum? Er gnädig wohl nicht sein darf;
Seit ich mich ständig frage: Warum?
Steht er vor mir und grinst nur dumm!

Hab keine Lust mehr, mich zu schämen;
und werd’ mir bald das Leben nehmen!
Um einem Freund, der sich’s genommen;
den stummen Schreien nachzukommen!
Du willst mich hindern? Einzulaufen?
Dein Petrus soll sich Mut ansaufen!
Glaub mir! Am Ende! Dann! Stellt sich’s dar!
Wir werden seh’n! Ob’s gut wirklich war.

Immer weiter im Text!

Willst du die Facebook-Daumen nicht verlieren
denk daran! Bloß keinen zu inspirieren!
Wenn sie statt “mag ich” bloß weiter-denken;
wirst du dir das Dichten doch gleich schenken!

Tweet 24

Nein! Ohne Herz pulsiert kein Leben!
Wer seins verschenkt? Hat es vergeben!

Sonntag, 13. Oktober 2013

Hilfe! Ich will helfen!

Ich frage mich so oft: Wann wohl begann
dies vernichtend Gift uns zu verführen?
wer es zu nehmen sich nicht leisten kann
bekommt die volle Wirkung heut’ zu spüren

Den Blick verzerrend umnebelt´s den Sinn
wenn sich Menschen bittend an mich wenden
dann merke ich erst, wie arm ich doch bin
hilfsbereit kann ich kaum Hilfe spenden

Das unser Leben so vermessen ist
weil's nicht Systeme nur verseuchte
der Freie merkt's dann, dass er frei nicht ist
wenn er zum Helfen erst Hilfe bräuchte

L'Etat, c'est moi!

Er sitzt allein dort auf dem Throne
man hört nur seine Wirbel knacken
denn seine Krone, die trägt er ohne
einen entsprechend starken Nacken

Als sein Kopf sich Richtung Boden senkt
lässt er sich weiter nicht beirren
weil er an nichts als die Krone denkt
hört man im Saale es bald klirren

Nach der Krone, die ihm das Genick brach
nach ihr streckt sich seine kalte Hand
er weint ihr die letzte Träne nach
auf dem Thron, wo er sein Ende fand

Für den guten Zweck

Für den guten Zweck
stehen vor prallgefüllten Kassen
an den Theken der Nation
Spardosen
„Für die Kinder!“
klingen die Slogans
„Aufrunden, bitte!“

für den guten Zweck
investieren die Wirtschaftsriesen
Millionen in Werbung
um Geld zu sammeln
welches den Platz nicht wert ist
den sie in Zukunft noch
gebrauchen wollen
für noch viel mehr von dem
was man angeblich
den Ärmeren opfert

für den guten Zweck
gibt man denen
die so viel mehr bräuchten
nur genau das
was hier sowieso
niemand mehr braucht

für den guten Zweck
spendiert man sich so
so billig wie möglich
eine weiße Weste
verdient man sich so
so elegant wie möglich
eine goldene Nase

für den guten Zweck
spendet man so
nur denen,
die es scheinbar nötig haben
auf Kosten derer
die unsere Spenden
wirklich
so dringend
so bitter
so nötig hätten

Samstag, 12. Oktober 2013

oh weh du fröhliche

Zur Weihnachtszeit! zur Weihnachtszeit!
Dem so genannten Fest der Liebe
zur Weihnachtstzeit passiert mehr Leid
denn sie motiviert auch alle Diebe
während die einen die Geschenke holen
in Kaufhäusern und beim Juwelier
muss der arme Mann leider nach Polen
seine Kinder schämen sich dann hier

Wo die einen lässig ihre Karte geben
um die Kohlen in Massen rauszuhauen
fürchtet so mancher Banker um sein Leben
weil Diebes Kinder in die Röhre schauen
während für die einen so Englein singen
die unter´m Christbaum all die Gaben haben
lässt Angst die von der Brücke springen
die sich am Festmahl bloß einsam laben

Oh Weihnachtszeit! Oh Weihnachtszeit!
Oh nein! Du bist auch mir nicht einerlei!
Wenn es, wie jedes Jahr, dann soweit ist
und du, zum Glück. Endlich dann vorbei bist

Abgehoben

Wie gern führte ich dies Hundeleben
wenn es einer anzufangen wüsste
ein kluges Herrchen, das könnt geben
was ich alles wollen werden müsste

Ich kann ein wirklich, wirklich Zahmer sein
ganz brav einfach nur Stöckchen holen
mit viel mehr noch komme ich gerne Heim
als man es zu holen mir befohlen

Wenn er dann nur weiß, wohin zu werfen
will ich selbst unter Steine kriechen
mein Spieltrieb würde ihn wohl nerven
ich will in allen Ecken Leben riechen

Nur einmal dann. Soll er richtig böse sein
die Welt und mich, die ließ ich liegen
ich biss. In seine starke Hand hinein
den nächsten Stock? Holt' ich im Fliegen!

Protokoll X

Manchmal
gehe ich
durch´s Leben
wundere mich
wie konnte es nur
so weit kommen
kann das alles
Zufall sein
wie maßgeschneidert
am Beispiel
führen alle Wege dorthin
wo kein Mensch
je enden wollte

Das Geld
macht lange schon
nur noch wenige reich
die Gesetze
dienen lange schon
nicht mehr Bürgern
zum Schutze
die Bildung
schafft lange schon
kein Verständnis mehr
die Information
führt lange schon
nicht mehr zum Wissen
die Freiheit
scheint mir lange schon
nur noch Illusion
selbst Menschlichkeit
ist so lange schon
nicht mehr
menschlich

Der letzte Ausweg ist
diesen Plan zu durchkreuzen
der seit dem Anfang
bis heute
kurz vor Vollendung
nie wirklich existierte
der aber doch
so lange nun schon
funktioniert

Ach Mensch, was bist du dämlich! (4)

"Stell dir doch
nur mal vor
was wir
mit dem Geld
alles tun könnten!"

So höre ich sie
ständig
sagen

Was wir wohl
alles tun könnten?
Wenn wir uns nicht bloß
Geld vorstellten
das wir bräuchten
für die Dinge
die wir gerne tun würden
sondern
uns die Dinge wirklich
vorstellen würden
sie ganz einfach
zu tun?

Ich kann
nicht aufhören
es mir vorzustellen

Ach Mensch, was bist du dämlich! (3)

Ist er denn wirklich klug, der Satte
sagt er: „Mach´s wie ich!“, nur weil er's hat
ist es gekonnt, kriecht er in Watte
gut eingepackt voran als Nimmersatt?

Ach, könnte er es selbst erkennen
der alles schon hat, nur Nichts nie hatte
und die eine Wahrheit mehr so nennen
dann hinterließ sein Eindruck Platte!

Ohne Seidenstrump und Goldpantoffeln
doch um eine Einsicht schlauer:
Es erntet zu Recht die dicksten Kartoffeln
nur der allerdümmste Bauer!

Wunsch-Kind

Sie sagt zu ihm: “Ich liebe dich!”
er denkt für sich nur: “Wow!
Gott wie sehr doch lieb’ ich mich
bei Seite einer Hammerfrau!”

Sagt er zu ihr: “Ich liebe dich!”
denkt sie für sich: “Genau!
Gott wie sehr doch liebt’ ich mich
wüsst’ ich nur, ob ich ihm trau!”

Sie sagen sich: “Ich liebe dich!”
toll vom Liebestreiben
ihre Liebe, sie verlässt sich:
“Dem Kind sei Dank könnt’s bleiben!”

Tweet 26

“Ich liebe dich! Ich liebe dich!”
Drei Worte, denen die Liebe wich
seit die Zweifel an ihr nagen
bleibt nur: “Ich liebe dich” zu sagen.

Stiller Protest

Am Anfang war sie sachlich-nüchtern
dort vor zehn Jahren am Gymnasium
nie aufdringlich. Eben sehr schüchtern
war sie weder blind, noch taub, noch dumm

Als mehr der bösen Worte fielen
sah man sie oft traurig gucken
sah sie's auf Herz und Nieren zielen
sah man sie zusammen zucken

Als die Eltern dann Streit anfingen
überlegte sich das Menschenkind
als ihr Worte durch den Kopf gingen
das schweigend die Menschen bessre sind

Seit zehn Jahren nun ist sie verstummt
kein Mucks, kein Laut, kein Wort, kein Lachen
vor dem Leben in sich eingemummt
hat sie aufgehört es mitzumachen

Tweet 25

Was haben
das Denken
und der Fußball
beide
aber nicht ganz
gemeinsam?

Wer häufig
zum Abschluss kommt
trifft auch öfter
mal daneben

Tweet 21

wenn traurigkeit nur
ein vogel wäre

endlich frei
könnten wir fliegen

die welt würde wirklich
zum himmel auf erden

Tweet 14

Unter verschneitem Kopf
auf gefrorener Seele

ein Hauch von Leben
junge Robben
toben
bis man
schließlich
auch sie
schlachtet

Tweet 13

Ich frage
wer ist
bei Dir

Du sagst
du seist
nicht alleine

Ich frage
wo sind
die Deinen

Du sagst
dort sei
jemand

Ich frage
nach Menschen
es antwortet
keiner

Haiku

Einsame Herbstnacht
Von den Dächern tropft Regen
In unser Schweigen

Dezemberlied

Wenn bald die letzten Augen schließen
lass’ uns diesen einen Tanz noch wagen
wenn letzte Tränen von Eiszapfen fließen
lass’ gemeinsam nochmal „ja!“ uns sagen

Ich will ein letztes Mal dich noch erleben
wirst du mich noch einmal sicher führen
unter meinen Füßen wird die Erde beben
werd’ ich im Winter heißen Atem spüren

In der Leidenschaft der alten Lieder
durch Ruinen von verlassenen Städten
wir trampeln jeden Rest von gestern nieder
bis uns die Leere platzt aus allen Nähten

Wie neue Menschen auf entlegenen Wegen
über Schlachtfelder und Leichenberge
wie der Wind werden wir Schnee weg fegen
durch kahle Gärten, über Gartenzwerge

Auf leeren Straßen, unter toten Ampeln
bis wir  den neuen Morgen vor uns sehen
lass’ uns tanzen! Lass’ uns trampeln!
Bis wir wieder ganz am Anfang stehen

Von einem Gipfel aus, ganz eng beisammen
brennt unser Feuer dann am Horizont
sehen wir Menschen tanzen, neu entflammen
schimmert Hoffnung durch die Winterfront

Alles bloß Gold, was glänzt!

Warum glauben wir die, die horten und raffen
und auf Neider so gerne abwertend gaffen
seien die, die sich selber nur die Nächsten sind
dabei nutzt doch meist das Menschenkind

Die kalte Fassade aus Ruhmdingenundzahlen
als Anstrich bloß im Haus der Qualen
dabei dient doch Schmuck oft Ochs’ und Rind
zu verschleiern wer sie wirklich sind

Nicht umsonst legt man Wert auf falschen Schein
nur um der Mittelpunkt mal selbst zu sein:
Denn wenn man bedeutend wie ein Status bloß ist
bedeutet es bloß. Das du selbst nicht mehr bist.

Vertreibgut

Nur tote Fische
schwimmen mit dem Strom
glaubte das Rindvieh
noch zu wissen
als es zufrieden schmatzend
in der steigenden Flut
selektierend
die Hinfortgerissenen zählte
um die eigene Wahrheit
so lange zu erbrechen
und wiederzukäuen
auf das sie wenigstens
einen Moment ihm
nach Überzeugung schmecke

Weiß der Geier
ob der Ochs
es noch merkte
in welche Richtung
er trieb
bevor sein Leben
sich in den Fluten verlor
mit dem Feuer spielend
wie ein Fähnchen
im Wind
lebend
überließ er es
der Strömung
nur deren Stärke
entschied
ob er standhalten würde

Flußabwärts
in der entlegensten Bucht
liegen sie aufgereiht
als wäre dies der Ort
für den sie bestimmt
als wäre dies der Ort
an dem verschiedenste Arten
noch als Herde weilten
nach einem kurzen Leben
gemeinsam versammelt
so jung noch
als wäre dies
der verlassene Ort
an dem sie unvergessen
ewig verwesen

Flußaufwärts derweil
suhlen sich die Schweine
wohlig
in ihrem verächtlichen Gegrunze
die Nasen rümpfend
wenn sie in Erinnerungen
Schwäche wittern
weil sie in Erinnerungen
kurz noch einmal
in der Luft liegen

Wie eine unangenehme Randnotiz
die nicht hätte sein müssen
wenn tote Tiere doch endlich
einfach nur
das Schwimmen lernten

Vom alten Riesen

Ich weiß noch, wie er vor mir steht
als fünf vor zwölf vorbei war
im Glas vor mir, sich weggedreht
kalt und kühl und unnahbar
musst ich meine Augen schließen
sah nicht mal Tränen fließen
ich sehnte mich nach diesem Kind
dort wie erstarrt im kalten Wind

Ich weiß noch, als ob’s gestern wär
stand er dort. In sich vermummt
ich konnt und wollt! Ich konnt nicht mehr!
Das letzte Lied schien verstummt
bis der Horizont grell geblitzt
fror und war doch nass geschwitzt
sah vor mir leuchtend, hin und her
die Augen zu! Ein Lichtermeer!

Ich weiß jetzt, der da vor mir steht
kalt und kühl und unnahbar
wie er sich dort. Drehte und dreht
seit dem Tag, als ich ihn sah
thront Majestät am Horizont
durch kommende Kaltwetterfront
scheint’s mir doch helle. Denn es steht
ein Leuchtturm, der für mich sich dreht

Flaschenpost

Siehst Du mich hier winkend treiben?
Wer Du auch bist, ich bin für dich!
Siehst Du mich hier sinkend bleiben?
Wo Du auch bleibst, hier treibe ich -
auf der Suche fort, ganz unpoetisch
nach unsrem Heimatorte
versinke ich, ganz unpathetisch
mit jedem meiner Worte!

Entschuldigt mich, bitte!

Das hier geht raus! Für dich! Für dich!
Ich bitte dich! Entschuldigst du mich?
Für jede Nacht, in der ich einen Traum dir säte
für jeden Tag, an dem ich ihn nieder mähte
für jedes Versprechen, dass ich an Dich aussprach
für jedes Wort, mit dem ich es dann wieder brach
für jeden Tag, an dem einer an mich glaubte
für jede Nacht, in der ich einen Glauben raubte
an jeden, der sich meiner noch angenommen!
Für alles, was Du dafür zum Dank bekommen?

Das hier geht raus! An dich! An Dich!
Ich bitte dich! Entschuldigst du mich?
An jeden, der glaubte an den Drogendealer
an jeden, der hoffte auf Vernunft im Spieler
an jeden, der mir Nachts noch gerne lieh sein Ohr
an jeden, dem ich darin meine Treue schwor
an jeden, der seine Hoffnung in mich setzte
an jeden, der sich an Dornen so verletzte
an jeden, der sich meiner doch angenommen!
Für alles, was Du dafür zum Dank bekommen?

Das hier geht raus! An Dich! An Dich!
Ich bitte Dich! Entschuldigst du mich?
Für jedes Gedicht, dass ich nicht an euch dichte?
Für jedes Wort, mit dem ich mich selbst bloß richte?
Weil ich Nacht für Nacht, wetteifernd
Tag für Tag nach mehr Neid geifernd
Stück um Stück mich weiter verlor
Bitt' ich Dich nun! Stell es dir vor,
wenn wir uns wieder begegnen! Danke ich dir!
Für ein Ziel! Auf meinem Weg zurück zu mir!