Samstag, 24. September 2016

Die Hoffnung stirbt nie

Am Horizont verbrennt die Sonne,
während sich die Nacht formiert,
mit ihr sinkt die Lebenswonne
bis das Dunkel einmarschiert.
Die letzten Strahlen brennen noch
tief ein Sehnsuchtsseelensucht -
sie sagt uns wohl: Es ist soweit.
Ich muss gehen. Es ist Zeit.

Von fern poltert die Sklavenkette
an der kein Mensch je hing,
die ihn vielleicht gehalten hätte,
als er wieder rückwärts ging,
auf zu totem, kahlem Land,
dort verläuft die Spur im Sand,
die das Hoffnungsauge blendet,
das es seh'n muss, wo sie endet.

Deshalb liegen unsre Träume trocken,
aus denen Gegenwind laut schreit:
„Steh nicht auf, bleib lieber hocken!
Wenn du's wagst, macht dich bereit,
dass man dich in dem ersäuft,
was anders bei dir ist und läuft -
alle, die es mal wie du gefühlt,
die hat die Ebbe fort gespült!“.

Doch kann's mich kaum noch jucken,
weil ich mich frag, in was
wollt ihr mich unterducken?
Fort ist das kühle Nass,
das mir den Atem einst geraubt,
auf meinem Grunde liegt verstaubt
nur noch ein Ohnesegelschiff,
aufgelaufen auf dem Riff,

dass wir einmal Zukunft nannten,
die einmal vor uns lag,
die wir, wie ihr, genau nicht kannten -
nur dass sie kommen kann und mag,
waren wir zu glauben frei,
schwimmend durch den Einheitsbrei,
fanden wir  stromaufwärts am Ein-fluss
was man will, wenn man nicht muss,

was eingekerkert nun in grauen Zellen,
als letzter Funke Hoffnung glimmt.
Es hat hier keinen Platz im Grellen.
Doch im Dunkeln, dann bestimmt,
wenn dieser Kampf hat ausgedröhnt,
gegen das, worin versöhnt,
wir scheinbar fest gefangen sind -
wenn es endlich dann sein Ende nimmt,

wenn all die Waffen einmal schweigen,
wenn sich dann kein Rad mehr dreht,
wenn alle Finger nur ins Leere zeigen,
weil keiner weiß mehr, wo er steht,
dann nutzt die Chance und lasst es raus,
reißt die Tür auf, brüllt ins Haus:
Nicht mit uns! Nicht mit mir!
Niemals! Nie! Wir waren hier!

Wenn wir diese letzte Chance ergreifen,
indem wir ihren dunklen Horizont
im Finstern weiter silberstreifen,
dann bricht durch die Wolkenfront
die Sonne nochmal strahlend auf
und Dinge nehmen neu den Lauf,
wenn hinter ihnen nichts mehr steht,
doch vor uns liegt, was ihr bloß seht.

Freitag, 23. September 2016

Nein und Amen

Heutzutage will man meinen
es reichte, etwas zu verneinen,
doch so klar es ist und richtigm

dieses "nein", weil es wichtig
 

ist nicht einfach zu marschieren,
wenn sie sich im Mob gruppieren -
reicht das? Kann's gar sein,
wir haben vielleicht was gemein

mit denen, die uns so beschämen,
die wir versuchen, abzulehnen?
Was sind denn deren Absichten?
Ausradieren und vernichten!

Zerstören und begraben!
Was sie wollen? Was nicht haben!
Was sie haben ist allein
dieses eine ja zum nein.

Was halten wir dagegen, Leute?
Ja, ein nein zur braunen Meute,
doch was uns wie ihnen fehlt
ist ein Weg, auf den man zählt,

eine andre Richtung, die wir gehen,
eine Welt, für die wir stehen,
ein neuer Traum, für den's nicht reicht,
wenn man draus das Alb bloß streicht.

Ohne bleibt nur dieses nein zu wagen
mit dem wir schweigend „ja“ sagen
zu dem alten Erdenschoß,
auf dem das Falsche wurde groß

und ohne wird’s das wieder werden,
bleiben wir bloß bei Beschwerden
zu denen man sich lässt herab -
dann nicken wir im „nein“ nur ab.

Wenn Dinge nicht passieren sollen,
brauchen wir was, was wir wollen;
gibt es nichts, nur gegenüber -
bleibt man stehen. Vielleicht drüber,

doch dies „NIEWIEDER“, das wir gerne
hätten, rückt in weite Ferne,
weil es Verneinungen nicht geben kann
ohne ja und einen Glauben dran.

extrem. abhängig.



ich höre sie schimpfen
neger und
ölaugen und
pack und parasiten und
ich spüre den hass
der steckt in dem echo
ohne die wörte
wirklich zu hören und
ich sehe sie sterben
durch das urteil
mit dem sie sich richten
weil sie es sprechen
weil sie sich selbst
nicht mehr begreifen
als teil der bewegung
die sie an den rändern
in wellen spaltet
mit denen sie sich
hochschaukeln lassen
nicht mehr begreifend
dass sie einzeln nur 
existieren
weil sie miteinander
nicht mehr in der lage sind
leben zu können können
nicht mehr begreifend
sie hassen sich nicht
der unterschiede
sondern der gemeinsamkeiten wegen
nicht mehr begreifend
wie sehr sie sich brauchen
um hochschlagen
zu können

was wäre die überzeugung
eines überzeugten nazis
ohne ausländer
den er ablehnen könnte
was wäre der auftrag
eines glaubenskriegers
ohne die ungläubigen
durch den er sich
beauftragt fühlte
was wäre die macht
eines mächtigen
wert
ohne machtlosigkeit
derer er sich
bemächtigen kann
wie klug könnte
der klugscheißer scheißen
ohne die dummheit
die ihn erhebt
wie glücklich würde
uns unser 
restliches glück 
wirklich noch machen
ohne unglück
das es relativiert?
es ist wohl kein wunder
das sich dies niemand
mehr fragen kann
und will
weil nichts härter ist
als gegen den
strom zu schwimmen
wenn alles 
den bach runtergeht
weil nichts einsamer ist
als es trotzdem zu tun
wenn man trotz allem
hin zur quelle will
und doch 
gibt es nichts schöneres
als den glauben
an die tränen
die man einfließen lässt
in der hoffnung
irgendwo flussabwärts
schmeckt ihn jemand heraus
meinen salzigen traum
vom offenen meer

Freitag, 16. September 2016

Von künstlichem und so

Ist das Kunst? Oder kann's weg?
Menschen, die es ehrlich wagen
sich das allen Ernstes laut zu fragen,
ziehen all das in den Dreck

worum es ihnen scheinbar geht -
weil die Stimme, die sie trimmen,
weil die Kunst, die sie bestimmen,
sich zu sehr um sich selber dreht.

Ist Kunst nicht das, was uns anlacht
wenn wir lauschend Lieder singen,
die angestrengt nach dem eh'r klingen,
der sich um sie Gedanken macht?

Sagt Kunst nicht allen klipp und klar,
egal, ob nun durch Mittelfinger,
durch Zärtlichkeiten oder Schwinger:
„Ihr klingt klug. Doch ich bin wahr!“?

Ist Kunst nicht dieses Hirngespinst,
das allen Richtern und Experten,
Besserwissern und Gelehrten
wahrhaftiges entgegengrinst?

Ist Kunst nicht das, was sich ergibt,
wenn wir das, was wir nicht fassen
halten bis wir's loslassen,
damit dann das, was wir geliebt

zur Sprache wird, die jeder spürt?
Die Kunst, verehrte Arschgeigen,
ist wohl die Kunst sich auszuschweigen,
wenn das Leben Feder führt!

Mit ohne alles!



Früher fragte ich mit einem Lachen
ob ich lachen oder weinen soll.
Heute sehe ich euch Dinge machen
und weiß nun, es ist gar nicht toll,
muss man es so wirklich fühlen,
während man im Leeren sitzt.
Neben sich und zwischen Stühlen,
wo man Blut und Wasser schwitzt.

Es ist nicht schön mit anzusehen,
wie man in der Uhr verrinnt,
die ich bereit war umzudrehen
im Gefühl, dass was beginnt.
Ich hielt mich damals für gerissen.
Und war es. Und bin ausgeblutet.
Warum belud ich mein Gewissen?
Zum Überholen? Falsch vermutet!

Es ist nicht schön es einzusehen,
egal, wie man die Dinge denkt:
am Ende wird man dort eingehen,
wogegen man sich her geschenkt.
Es ist nicht schön, sich zu schämen
für alles, was nicht jeder weiß -
wenn die Dinge dich dann lähmen,
fordert Wahrheit ihren Preis.

Es ist nicht schön zu begreifen
wie das Leben dich ausschlachtet,
wenn Einsichten erst reifen
für die man scheinbar nach dir trachtet.
Es ist nicht schön zu vermuten,
deine Zeit läuft vor dir ab.
Dieses Nichts, dort im Guten,
ist doch alles, was ich hab.

Es ist nicht schön, wie sie sich sammeln,
um mich zu fragen, was mir fehlt.
Dabei kommen sie, um abzugammeln.
Ich habe sie längst selbst gezählt,
die Tage, die verloren gingen,
die Fehler, die ich mach.
Ich weiß, wie meine Worte klingen,
wenn ich weder wein' noch lach'.

Es ist nicht schön sich vorzugaukeln,
es seien alle andern Schuld,
Sekunden, die ins Ohr mir schaukeln
geben mir bloß mehr Geduld
mich in Ruhe zu verachten.
Die Dinge, die ich ändern wollt'
sind es, die mich zu dem machten
den ich ändern müsst und sollt.

Es ist nicht schön zu erleben
mit dem Leben aus der Hand -
unfähig, sich die Hand zu geben
so verrinnt im Glas der Sand,
während mein Gejammer
die Angst nährt, die dort oben thront.
In ihren Händen liegt der Hammer.
Sie lässt mich zweifeln, ob es lohnt.

Es ist nicht schön sich zu betäuben,
damit er schweigt, der Schmerz,
es ist nicht schön sich zu streuben,
wenn es spricht, das Herz.
Es ist nicht schön, so aufzufallen.
Trotzdem sage ich: Seht her!
Zu mir! Zu dir! Zu euch! Zu allen!
An alle, die kaum glauben mehr,

an alle, die sich dreh'n und wenden,
deren Glas scheint kaum gefüllt,
an alle, die aus Angst vor Enden
sind von Staub und Dreck umhüllt:
Es ist so schön davon zu träumen,
wir gäben uns die Kraft
um uns gegen das aufzubäumen,
was in Wahrheit alle schafft,

es ist so schön daran zu glauben,
dass es unsre Fesseln sprengt,
dass die Zeit, die wir uns rauben
sich noch vor das Ende drängt,
wenn wir gemeinsam uns erfreuen
diesem Leben unsren Sand
in die toten Augen einzustreuen -
an euch! Dann liegt's in unsrer Hand!

Samstag, 27. August 2016

Vom schwersten Schritt (bis sie wieder atmen kann)

Als ich anfangs wenig wusste,
da war mir jeder Rat zu teuer,
als ich wollte und nicht musste,
brannte in mir wild ein Feuer,

nun sehe ich es vor mir flackern,
seh den Wachs zu Tische fließen,
hör im Dunkeln Zeiger klackern,
knete in Masse, die sie mir ließen.

Nach der Angst es auszuhusten,
kann ich noch das Licht genießen,
bis zum Drang es auszupusten,
um die Augen still zu schließen,

mit denen ich zum Ausgang schaue,
hinter dem die Wege offen stehen.
Im Kerzenschein, auf den ich baue,
müsste ich bloß durch ihn gehen.




Donnerstag, 25. August 2016

warum einstein nicht irrt, wenn er sagte...*

man kann nicht
man darf nicht
man soll nicht
man muss nicht
man kann
man soll
man muss
antwortet ihr
wie zu allen zeiten
auch heute auf
die drängenden fragen
dieser zeit
doch dummerweise
fängst man leider erst dort
an zu verstehen
wo das verständnis
endet
und dummerweise
kommt wirkliches verständnis
nur überall dann dort auf
wo man begonnen hat
zu verstehen
und dummerweise
legt dir die so
gewonnene erkenntnis
wenn du sie denn trotzdem wagst
zuerst die eigenen hände
um den eigenen hals
um zuzudrücken
so fest du nur kannst
und dummerweise
wirst du das gefühl nicht los
es trotzdem zulassen zu müssen
um die unverdaulichen brocken
auskotzen zu können
mit denen wir
angefüttert wurden
selbst wenn du
dummerweise dabei
das gefühl nicht los wirst
dass dir vielleicht
bald die luft
endgültig
ausgehen könnte
und dummerweise
geht der brauchbare rest
dann auch noch vor
lauter druck
nicht selten direkt
in die hose
die du dummerweise
also herunterlassen musst
um mit dem inhalt
etwas anfangen
zu können

doch traurigerweise
werden sie grade deshalb
lieber erstmal
kollektiv
die nasen rümpfen
anstatt die ohren
zu spitzen
schließlich kann man ja nicht
derart beschissen aussehen
wenn man wirklich
etwas zu geben
haben will

*... der horizont der meisten menschen ist ein kreis mit dem radius null. und den nennen sie dann ihren standpunkt.

Wirklich wahr

Weil junge Menschen einsam fluchen
im Angesicht der kranken Welt,
gehen sie nach Wahrheit suchen -
bis sie die eine festgestellt,
um dann zu brechen, zu erblinden,
gedrängt sie an den Rest zu geben -
verzweifelt suchend wird man finden
und mit dem Fund in Lüge leben.

Passend dazu gibt’s dann solchen,
der hält sich gerne für gerissen
zwischen all den „Lügenstrolchen“,
passioniert im Besserwissen...
so kann er Selbstbetrüger wohl benennen!
Was kommt am Ende dabei raus?
Auch er wird nichts als Lügen kennen!
Was er aufdeckt? Bloß Applaus!

Nur wer sich hingegen treiben lässt,
wer über Grenzen geht auch weit,
stellt im nirgendwo so vielleicht fest:
all das Unheil macht sich breit,
weil sie Wirklichkeiten Wahrheit nennen,
nur wenigen wird wirklich klar:
man darf Eines nicht vom Andren trennen;
auch die Lügen, sie sind wahr!

Auf ihrem Grund kann man erkennen,
dort stellt sich im Grunde dar,
wie wir die Wirklichkeit verpennen;
wirklich wahres ist längst rar,
weil wir in Wahrheit krank genesen,
viel zu oberflächlich, abzuleiten:
die Wahrheit ist ein Überwesen,
die Summe aller Wirklichkeiten!

Wer's wissen will, muss deshalb wühlen
in sich selbst, im tiefsten Dreck,
denn nur weit unten kann man fühlen:
Alle sind von Wahrheit gleich weit weg
und nur wenn man wahrhaftig ist,
zeigt sie sich, um Sinn zu spenden
wenn du näher nie als nie ihr bist,
kann sie überall sich an dich wenden!





Dienstag, 29. April 2014

Ich weiß es nicht

Im Spiegelbild fließen Tränen,
bis Morgens dann das Rollo kracht.
Sie schwinden mit dem Sehnen,
wie im Tage dann die Nacht.

Ich such und such, doch scheint es fort,
als läg’s mir fern, was einst so nah.
Ich habe Angst, es bleibt auch dort,
wenn man so tut, als war’s nie da.

Was mich dorthin zum Fenster drängt?
Selbst gewillt – ich kann’s nicht nennen.
Woran mein Herz wohl wirklich hängt,
lerne ich im Abschied kennen.

Mittwoch, 16. April 2014